Diagnostik durch den Hausarzt

Da die Zentren, die die für das Mastzellaktivierungssyndrom notwendige Diagnostik anbieten, sehr überlaufen sind, sollte zunächst der Weg über den eigenen Hausarzt gewählt werden. Dieser kann bei einem Verdacht auf die Erkrankung bereits erste, wichtige Untersuchungen in die Wege leiten.

Voraussetzung für diese Vorgehensweise ist ein aufgeschlossener und motivierter Arzt, der dazu bereit ist, sich auch mit „neueren“ Krankheitsbildern auseinanderzusetzten und sich ein Stück weit einzulesen. Darüber hinaus ist natürlich auch ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient sehr vorteilhaft, wenn man diesen Weg gehen möchte.

Blutuntersuchungen, die von Ihrem Hausarzt angeordnet werden sollten:

  • großes Blutbild plus zusätzlich folgende Blutparameter:
  • Tryptase
  • Chromogranin A
  • Heparin

Urinuntersuchung durch den Hausarzt:

  • Messung von N-Methylhistamin und 1,4-Methylimidazolessigsäure (Abbauprodukte des Histamins) im 24-Stunden-Sammelurin
  • Messung von Leukotrienen im Urin

Es ist normalerweise nicht notwendig, im Vorfeld der Untersuchungen seine Medikamente abzusetzen oder sich histaminarm zu ernähren. Besprechen Sie dies aber zur Sicherheit noch einmal mit Ihrem behandelnden Arzt, da es hier teilweise unterschiedliche Ansichten gibt.

Wichtig: Der fehlende Nachweis einer Erhöhung von Mastzellmediatoren in den Blut- und Urinuntersuchungen schließt eine Mastzellerkrankung nicht sicher aus. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die Mastzellen eines jeden Patienten einen ganz individuellen „Mediatoren-Cocktail“ produzieren und heutzutage nur sehr wenige Mastzellmediatoren labortechnisch nachweisbar sind. Darüber hinaus entscheidet z.B. auch die „Tagesform“ des Patienten darüber, wie viele Entzündungsbotenstoffe die Mastzellen ausschütten und folglich auch darüber, wie hoch die Werte einzelner Mediatoren in den Blut- und Urinuntersuchungen ausfallen.

Die Diagnose „Mastzellaktivierungssyndrom“ ist eine hauptsächlich klinische Diagnose, was bedeutet, dass sie sich zu einem großen Teil auf das symptomatische Bild und die Krankheitsgeschichte des einzelnen Patienten stützt. Die Erkrankung allein aufgrund fehlender labortechnischer Nachweise auszuschließen, scheint nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht angebracht, da die derzeit zur Verfügung stehenden diagnostischen Mittel keine ausreichende Sensitivität und Spezifizität aufweisen.

Wenn sich bei den durch Ihren Hausarzt durchgeführten Untersuchungen Auffälligkeiten ergeben haben, sollte eine Überweisung zum Gastroenterologen mit Bitte um Durchführung einer Gastroskopie und einer Coloskopie, inklusive Entnahme von Stufenbiopsien, erfolgen.

Nach Entnahme der Stufenbiopsien empfehlen wir, die Biopsate an folgende Adresse zu senden:

Anschrift

Ludwig-Maximilians-Universität München
Pathologisches Institut der LMU
z.Hd. Prof. Horny
Thalkirchner Str. 36
80337 München

089 / 21 80 – 736 11

089 / 21 80 – 736 04

Damit Ihre Krankenkasse die Kosten für die Untersuchung der Biopsate übernimmt, ist ein weiterer Überweisungsschein von Ihrem Hausarzt notwendig. Auf diesem sollte Folgendes vermerkt sein:

Untersuchung der Magen/Darmbiopsien auf Mastzellen, Mastozytose abklären, Auszählen der Mastzellen, Krankhafte Veränderung der Mastzellen.
Prüfung der Mutationen: KIT D816X & Immunhistochemie auf Antigene: CD25 & CD2

Wichtig: Es ist zu beachten, dass die Diagnose „Mastzellaktivierungssyndrom“ erst dann gestellt werden kann, wenn alle anderen Erkrankungen, die eventuell als Auslöser für Ihre Symptome in Frage kommen könnten, ausgeschlossen wurden. Ein Arzt, der sich mit Mastzellerkrankungen auskennt, weiß um die notwendige Differentialdiagnostik und wird diese gewissenhaft durchführen.

Hier eine kleine Liste möglicher Differentialdiagnosen:

Immunologische und neoplastische Erkrankungen

 

  • Karzinoidtumore
  • Hereditäres Angioödem
  • Intestinale Lymphome
  • Pankreatische und endokrine Tumore
  • Phäochromozytom
  • Primäre gastrointestinale Allergien
  • Vaskulitis

 

Gastrointestinale Erkrankungen

 

  • Amyloidose
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Helicobacter pylori positive Gastritis
  • Hepatitis
  • Laktose- und/oder Fruktoseintoleranz
  • Parasitosen
  • Primäre Zöliakie

 

Endokrine Erkrankungen

 

  • Diabetes mellitus
  • Hereditäre Hyperbilirubinämie
  • Porphyrien
  • Schilddrüsenerkrankungen

 

Hinweis: Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

 

Sollten die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen in Zusammenschau die Diagnose „Mastzellaktivierungssyndrom“ bestätigen, gilt es als Nächstes, mit seinem behandelnden Arzt über die therapeutischen Optionen zu sprechen und gegebenenfalls eine entsprechende Therapie einzuleiten. Auch wenn alle Untersuchungen unauffällig ausgefallen sind, kann es unter Umständen vernünftig sein, mit der Therapie zu beginnen und zu beobachten, ob sich die Symptomatik unter der neuen Medikation verbessert.

Darüber hinaus ist es empfehlenswert, sich einen Termin in einem Kompetenzzentrum für das Mastzellaktivierungssyndrom zu besorgen. Die aktuelle Wartezeit liegt hier bei durchschnittlich 6-12 Monaten. Eine Liste mit den Namen und Kontaktinformationen entsprechend spezialisierter Zentren ist im Mitgliederbereich abgelegt.

Im Falle eines positiven Nachweises einer (systemischen) Mastozytose, wenden Sie sich bitte umgehend an einen spezialisierten Onkologen!