Meet The Team #3 Nina: Unsere lebensfrohe Wissenschaftsliebhaberin

12 Okt 2020

Unsere lieben Mitglieder dürften es schon mitbekommen haben: In unseren regelmässigen Newslettern stellen wir seit kurzem auch unser fleissiges Team vor. Damit alle die Chance bekommen, zu erfahren, mit welcher Bande ihr es hier zu tun habt, holen wir anhand unserer #MeetTheTeam Blogeinträge auch unsere ‚Nicht-Mitglieder‘ gerne ins Boot. Heute stellen wir euch unsere liebe Nina vor. Sie ist begeisterte Wissenschaftlerin und unterstützt unseren Verein in diesem Bereich. Nina ist selbst von MCAS betroffen und hat neben ihrem Engagement im MCAS Hope e.V. auch eine sehr informative Webseite für Patienten, Angehörige und Interessierte erstellt, auf der sie einen umfassenden Überblick über das Krankheitsbild „Mastzellaktivierungssyndrom“ zusammengestellt hat. Vielen Dank für deine Hilfe, liebe Nina. Schön, dass du Teil unseres Teams bist! <3

Ninas Steckbrief


Name: Dr. Nina Kreddig

Alter: 39 Jahre

Wohnort: Dortmund

Beruf: Wissenschaftlerin & Psychologin in der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum

Was ich beim MCAS Hope e.V. mache: Wissenschaftlicher Support

Mein persönlicher Hintergrund mit MCAS: Wie bei so vielen anderen ist auch meine MCAS-Geschichte kompliziert und voller Höhen und Tiefen. Kurz gesagt: Variierende Symptome begleiten mich schon mein ganzes Leben lang. Nach einer heftigen Viruserkrankung – ganz typisch – kam es 2008 zu der ersten ernsthaften Eskalation, und 2010 zu einer weiteren. Ich beschäftigte mich daraufhin intensiv mit Histamin und Unverträglichkeiten, und konnte mit den gewonnenen Erkenntnissen Stück für Stück meine Gesundheit zurückerobern. 2016 verwirklichte ich einen großen Traum und zog für ein Forschungsprojekt für acht Monate nach England. Mein Mann und ich mieteten eine Dachgeschosswohnung von 1775 mit einem fantastischen Blick über Bath. Ich war begeistert! In dem historischen Gebäude gab es allerdings auch versteckten Schimmel, was zu einer erneuten gesundheitlichen Talfahrt führte. In der darauffolgenden umfassenden Recherche wurde mir klar, dass MCAS mit im Bild ist. Eine weitere Ernährungsumstellung und die richtige Basismedikation brachten zum Glück Besserung!

Meine berufliche Geschichte mit MCAS: Seit 2006 arbeite ich in der Wissenschaft, und seit 2008 in der Schmerzforschung. Dadurch sehe ich MCAS immer auch aus der wissenschaftlichen Perspektive. Mir fiel auf, dass chronischer Schmerz und MCAS erhebliche konzeptuelle Überschneidungen aufweisen, und machte MCAS daher zum neuen Fokus meiner Forschung. In diesem Rahmen bekam ich 2018 die Gelegenheit, bei dem MCAS-Pionier Dr. Lawrence Afrin in New York zu hospitieren – eine extrem lehrreiche Erfahrung! Meine nächste Studie wird einen Vergleich zwischen mehreren chronischen Erkrankungen thematisieren, darunter MCAS. Zusätzlich zu meiner Forschungstätigkeit habe ich 2020 Mastzellenhilfe gegründet. Viele Ressourcen zu MCAS existieren nur auf Englisch oder aus der Wissenschaft, während es nur sehr wenige auf Deutsch gibt. Dabei ist der Bedarf auch hierzulande riesig! Auf Mastzellenhilfe.de gebe ich Informationen zu Diagnose und Behandlung von MCAS, Erkenntnisse über Mastzellen aus wissenschaftlichen Studien, Tipps für den Alltag und Unterstützung für Betroffene, Angehörige sowie Ärzte und medizinisches Fachpersonal. Zusätzlich erscheinen regelmäßig Artikel mit wissenschaftlichen Neuigkeiten sowie praktischen Empfehlungen.

Was meine Mastzellen gar nicht mögen: Meine Trigger sind vielfältig und verändern sich immer wieder, daher achte ich generell sehr darauf, gesund und schadstoffreduziert zu leben. Der größte Anteil meiner Einschränkungen liegt dabei in der Ernährung. Aktuell lebe ich glutenfrei, milchfrei, weitestgehend pflanzenbasiert und gemäßigt histaminarm.

Was mir hilft: Präventiv helfen mir Triggervermeidung und Antihistaminika. Akut tun Ruhe, Spaziergänge und Mastzellen-Detektivarbeit gut. Eine freundliche Einstellung dem Körper gegenüber ist für mich essenziell. Ich ernähre ihn gut, ich pflege ihn gut, ich höre ihm zu und ich bin kompromissbereit, wenn er überfordert ist.

Meine MCAS-Philosophie: Es mag sich für einige eventuell ironisch anhören, aber ich glaube immer noch, dass unsere Mastzellen uns eigentlich schützen wollen. Das ist ihre Aufgabe! Zugegeben, bei einigen ist diese Schutzfunktion derart aus dem Ruder gelaufen, dass sie im Grunde nicht mehr zu erkennen ist. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass das für viele Betroffene der Schlüssel ist. Der Körper kann aber nicht einfach sagen, was ihm gerade nicht guttut, sondern muss durch Symptome auf sich aufmerksam machen. Erst leise und subtil, dann mit immer mehr Nachdruck. Wie viele andere musste ich auch erst lernen, die anfänglichen Hinweise des Körpers wieder wahrzunehmen. Gerade für uns ist es besonders wichtig, früh zu reagieren, und nicht erst bei späteren Warnungen, die aus deutlichen spürbaren Symptomen bestehen.